SC Wiesbaden 1911 – Rüsselsheim Rays 15:11
Hochverehrte Leserschaft,
es begab sich an einem gewöhnlichen Dienstagabend – oder sollte man sagen, an einem Abend, der sich als alles andere als gewöhnlich entpuppen sollte – dass die wackeren Recken der Rays aus Rüsselsheim ihre Reise in die ehrwürdige Stadt Wiesbaden antraten. Der aufmerksame Leser mag nun die Stirn runzeln und sich fragen, ob nicht erst kürzlich eben dort gespielt worden sei. Und er täte recht daran, denn tatsächlich hat der ehrwürdige SC Wiesbaden in dieser Saison die Kühnheit besessen, gleich zwei Mannschaften ins Feld – oder vielmehr ins Wasser – zu schicken.
So geschah es also, dass sich dreizehn tapfere Rays an einem Wochentag zum Schwimmbad Kleinfeldchen begaben, bereit, sich den dortigen Wasserballern zu stellen. Ein Unternehmen, das – wie Ihre ergebenste Beobachterin berichten muss – nicht ohne dramatische Wendungen blieb.
Doch lassen Sie uns die Ereignisse in geordneter Form betrachten.
Noch vor dem ersten Sprung ins Becken ließ der Trainer verlauten, es handle sich – welch beruhigende Worte! – lediglich um ein Freundschaftsspiel. Der Druck solle von den Schultern genommen werden, die Rays mögen befreit aufspielen. Eine noble Absicht, die jedoch bald eine Eigendynamik entwickelte, wie sie selbst in den lebhaftesten Salons der Saison für Gesprächsstoff gesorgt hätte.
Kaum hatte der Unparteiische den Pfiff ertönen lassen, da pflügte Luis Ackermann bereits als erster durch das Wasser und gewann das Anschwimmen mit bewundernswerter Entschlossenheit. Und nicht nur dies: Den ersten Treffer des Abends verbuchte niemand Geringerer als Sebastian Opietz, der den Ball mit bemerkenswerter Eleganz im Tor der Gastgeber versenkte.
Gewiss, die Herren aus Wiesbaden glichen bald aus und übernahmen gar die Führung. Doch die Rays zeigten sich von solcherlei Unbilden erstaunlich unbeeindruckt. Mit einer Verteidigungsordnung, die mancher aufmerksame Beobachter bereits im letzten Aufeinandertreffen bewundert hatte, hielten sie ihre Gegner in Schach. Das erste Viertel endete zwar mit einem 3:1 zugunsten der Hausherren, doch der Abend sollte noch viele Überraschungen bereithalten.
Im zweiten Viertel trat Elias Allach gleich zweimal in Erscheinung und ließ mit zwei Treffern keinen Zweifel daran, dass die Rays nicht gewillt waren, sich kampflos zu ergeben. Auch Hamid Nassr, Tom Rühle und Martin Steinborn steuerten in bescheidener, doch höchst wirkungsvoller Manier ihre Tore bei. So ging man zur Halbzeit mit einem bemerkenswerten 5:5 auseinander – ein Ergebnis, das selbst die kühnsten Optimisten unter den Rays erfreut haben dürfte.
Nach dem Seitenwechsel musste Allach, bereits zweimal des Feldes verwiesen, mit Vorsicht agieren. Doch wer nun dachte, dies würde seinen Tatendrang zügeln, sah sich getäuscht. Mit einem sehenswerten Alleingang krönte er seine Leistung und brachte neuen Schwung ins Spiel.
Und hier, verehrte Leserschaft, begann die Angelegenheit wahrlich pikant zu werden. Denn das Spiel, welches als bloßes Freundschaftsspiel deklariert worden war, entwickelte sich zu einem Duell auf Augenhöhe. Beim Stand von 9:8 gegen die erste Mannschaft aus Wiesbaden kämpften die Rays als geschlossene Einheit – eine Tugend, die in jeder Gesellschaft, ob auf dem Parkett oder im Wasser, höchste Bewunderung verdient.
Opietz traf erneut, während mehrere Herausstellungen auf beiden Seiten für turbulente Szenen sorgten. Doch weder die Rays noch Wiesbaden konnten ihre Überzahl in Zählbares verwandeln – ein wahrhaft dramatisches Hin und Her im Wasser.
Auch Luis Ackermann, der Mann des Anschwimmens und – wie man munkelt – der Albtraum so mancher Wiesbadener Nacht, trug sich in die Liste der Torschützen ein.
Der wohl eleganteste Moment des Abends jedoch gehörte einer Dame: Maria Steinborn, Kapitänin der Rays. Nach einem herrlichen Zuspiel ließ sie den Ball in hohem Bogen über den Keeper hinweg ins Tor segeln – zum 11:10. Ein Treffer, der beweist, dass man eine Frau weder unterschätzen noch unbewacht lassen sollte.
Leider, so muss Ihre ergebene Chronistin berichten, ließen gegen Ende Kräfte und Konzentration etwas nach, was den Wiesbadenern mehrere Treffer ermöglichte. Den letzten Treffer für die Rays jedoch warf erneut Hamid Nassr und setzte damit einen würdigen Schlusspunkt unter einen bemerkenswerten Abend.
Eine besondere Erwähnung verdient schließlich der Torhüter Frederik Rubien. Als etatmäßige Nummer Zwei hinter Joachim Kohl trat er an diesem Abend hervor wie ein Held aus den kühnsten Geschichten. Mit nahezu zwanzig Paraden – ja, verehrte Leserschaft, nahezu zwanzig! – brachte er so manchen Angreifer zur Verzweiflung und erwies sich als wahrhaft unerschütterliches Bollwerk der Verteidigung.
Und so bleibt Ihrer ergebensten Beobachterin nur festzustellen: Ein Freundschaftsspiel, so nannte man es. Doch manch Freundschaft birgt mehr Dramatik als eine ganze Ballsaison.
Ihre stets wachsame
Lady Backstroke
Das Spiel endete 15:11 (3:1|5:5|3:2|4:3), Torschützen: Elias Allach (3), Hamid Nassr (2), Sebastian Opitz (2), Luis Ackermann, Tom Rühle, Martin Steinborn, Maria Steinborn
Das nächste Spiel der Rays findet schon am Sonntag, den 15. März im Nordbad in Darmstadt statt. Diesmal trifft man auf die Auswahl Kelkheim/Darmstadt. Anpfiff ist um 14:45 Uhr. Die Rays freuen sich wieder über zahlreiche Unterstützung vom Beckenrand aus.

